GERTRAUDENHAIN

Gertraudenhain ist eine wachsende skulpturale Intervention, die inmitten eines durch Luft- und Umweltverschmutzung belasteten Stadtraums Wurzeln schlägt. Dies soll durch das Wiederaufforstungskonzept „Tiny Forest“ des japanischen Botanikers Akira Miyawaki gelingen. In der begehbaren Struktur/Skulptur vom Künster Christof Zwiener soll spätestens im Sommer 2025 ein Mikroklima wahrnehmbar sein. Die Nachbarschaft wird aktiv in Entwicklung und Pflege eingebunden und soll einen Austausch zu Fragen der Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit, aber auch dem Verhältnis Kunst und Kultur/ Stadt und deren Produktion anregen.

Christof Zwiener (*1972 in Osnabrück) studierte Interdisziplinäre Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und arbeitet mit berlinspezifischen Aspekten des öffentlichen Raumes wie Transformation, Verdrängung, Verdichtung, Gentrifizierung und die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse auf dessen Wahrnehmung. Dabei nutzt er immer wieder die Vorstellung von Überlagerung von Zeiten; Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind für ihn unmittelbar mit einem Gegenstand, einer Situation, einem Gebäude oder einem Ort verknüpft. Generell besitzen temporäre Situationen im öffentlichen Raum für Zwiener eine spezifische Atmosphäre oder Aura.

Zu seiner künstlerischen Praxis zählt in den letzten Jahren das Kuratieren von Projekten mit und im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel die Berlin Britzenale oder sein aktuelles Projekt BETON Berlin. Räume, Plätze, Orte oder Nischen, die er für das jeweilige Projekt über eine Recherche auswählt und in Zusammenarbeit mit Künstler:innen thematisiert, sind dabei häufig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden oder scheinen kulturell unsichtbar geworden zu sein.

KISR Leipziger Straße (2023-25)

Die Leipziger Straße in Berlin-Mitte verbindet von West nach Ost den Leipziger Platz mit dem Spittelmarkt. Entlang dieser 1,5 Kilometer langen Magistralen befinden sich heute Ministerien, Botschaften, Museen, Galerien, ein Kunstverein und Projekträume, ein Musikkindergarten, Blumenläden, Supermärkte, Brautmodengeschäfte, Apotheken und ein Wochenmarkt. Ab der Kreuzung Charlottenstraße in Richtung Osten gleicht sie einer Autobahntrasse mit insgesamt acht Fahrbahnen, die den Stadtraum durchschneiden. Dass hier 6.500 Menschen leben, wird meist übersehen.

Die Leipziger Straße bietet aufgrund des hier wirkenden Zusammenspiels von Geschichte, gesellschaftlichen Visionen, den damit verbundenen architektonischen und stadtplanerischen Entwürfen im Spiegel seiner aktuellen Nutzung und Wandel hin zu einem resilienten Stadtquartier, das Terrain für eine interessante künstlerische Auseinandersetzung – die für ein möglichst breites Spektrum künstlerischer Herangehensweisen geöffnet ist. Vor diesem Hintergrund lobte das Bezirksamt Mitte von Berlin einen einphasigen, nichtoffenen und anonymen Kunstwettbewerb. Die Auswahl der Künstler*innen erfolgte über ein vorgeschaltetes berlin- und brandenburgweit offenes und nicht anonymes Bewerbungsverfahren. Im Zeitraum ab Frühjahr 2024 bis Ende 2025 werden drei temporäre Kunstwerke/ künstlerische Interventionen dort im Stadtraum realisiert. Ein umfangreiches Vermittlungs- und Diskursprogramm bietet darüber hinaus konkrete Anlässe, um sich intensiv mit Kunst im Stadtraum, Architektur und Stadtentwicklung auseinanderzusetzen und ins Gespräch zu kommen.

KISR Leipziger Straße (2023-25)
Projektleitung: Judith Laub
Projektkoordination: Julius Kaftan und Cleo Wächter
Wettbewerbsbetreuung: Birgit Schlieps und Michaela Nasoetion

KISR Leipziger Straße ist Teil des Projekts Pop-Up-Mitte und wird finanziert über das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie auf Empfehlung des Beratungsausschusses Kunst (BAK) aus gesamtstädtischen Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Partner:
Interessensgemeinschaft (IG) Leipziger Straße
Mitte Museum
Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“
Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Fachliche Umsetzung:
MIYA forest e.v.
Danckelmannstraße 1
16225 Eberswalde